Spoiler

to spoil bedeutet wörtlich übersetzt verderben. Ein Spoiler ist demnach „eine Information, die dazu geeignet ist, den Genuss Dritter am Konsum eines Mediums zu verderben“¹. So wird jemandem etwa ein Film verdorben, indem sie/er Texte, Kritiken, Rezensionen oder sonstwas dazu liest, die bereits zuviel verraten. Dann macht es z.B. keinen Spaß mehr einen Film mit einem überraschenden Ende zu sehen, wenn mensch dieses Ende schon vorher gesagt bekommen hat. Oder es wird einer spannenden Handlung einfach die Spannung genommen, weil mensch den Verlauf bereits kennt.

Ich bin mir nicht sicher inwieweit ich hier in diesem blog Spoiler eingebaut habe. Oft scheint es mir, als ob ich einen Film bis zum Ende beschreiben muss, um meine Meinung über den Film auch tatsächlich begründen zu können. Das ist gewissermaßen ein Dilemma fast aller Rezensionen; einerseits nicht zu viel über den Film zu verraten, andererseits vieles verraten zu müssen, weil mensch ja etwas dazu zu sagen hat. So wird eine Rezension vielleicht zu kurz und schlecht, weil nicht über das geschrieben wird, wozu mensch sich eigentlich äußern wollte. Oder sie wird vielleicht gut, verrät aber einfach zu viel an Leute, die den Film noch gar nicht gesehen haben.

Ich habe da gerade keinen Abstand zu und stelle deswegen einfach mal die Frage in den Raum, ob ich bisher zu viele (oder zu wenig?) Spoiler begangen habe.
Ich versuche zumindest demnächst mal verstärkt darauf zu achten und eine Kennzeichnung von betreffenden Passagen einzubauen.

Sophiiie!

Sophie, „Kurzform von Sophiiie!“, ist schwanger. Aber sie weiß nicht von wem und vor allem nicht was sie tun soll. Auf der Suche nach einer Antwort irrt sie eine Nacht lang durch die Stadt; mit dem Motorrad ihres Freundes, der sich mehr Sorgen um die Karre macht als um sie, in Taxen, in denen sie die Fahrer fragt: „Wohin soll´s gehen?“, durch Bars und Puffs und teure Hotels, sie betrinkt sich, sie raubt Leute aus, um an Geld zu kommen, sie bringt sich ständig in Gefahr. Und fast überall begegnen ihr männliche Sexualität, Gewalt, Vergewaltigungsandrohung, sexuelle Übergriffe – meist alles auf einmal. Nur selten findet sie in dieser Nacht Verständnis. Aber auch das kommt immer im falschen Moment. Sie kann nicht damit umgehen. Da kommt sie fast noch besser mit einer Horde von Männern zurecht, die nicht eingreifen bei einer versuchten Vergewaltigung, aber klein beigeben, wenn Sophie einen am Schwanz nach draußen zieht und droht, ihn mit einer Glasscherbe abzuschneiden. Sie kann sich noch wehren, aber manchmal auch nicht. Oft ist Sophie (Katharina Schüttler)ihre einzige Waffe ihre Hilflosigkeit. Bis sie ihr Kind verliert und dafür noch beschimpft und verurteilt wird, wieder nur auf Unverständnis stößt. Am Ende kann sie nichts mehr aushalten. Sie kann nicht mehr. Auch die Fröhlichkeit von polnischen Cowboys, die nach dieser Nacht wie rettende Engel wirken, kann sie nicht mehr retten…
Sophiiie! (2002) ist ein Film über den Zustand der Verwirrtheit wenn mensch nicht mehr weiter weiß. Über das nicht-mehr-ertragen-können. Über Lichtblicke, die schnell wieder im Schatten verschwinden. Über das brutale Leben, das einem selbst so fremd vorkommt. Über einen Augenblick, in dem eine lebenswichtige Entscheidung getroffen werden muss, der sich quälend lang dahin zieht, bis es zu spät ist.
Der Film ist fesselnd, abwechslungreich, spannend, überraschend, mitreißend, realistisch und traurig und es schwingt ein feministischer Subtext mit. Ein Film, bei dem mensch sagen möchte, dass es ein toller/guter/großartiger Film ist, aber nichts davon passen will.

Hairspray (John Waters)

Endlich ist auch Hairspray (1988) bei mir angekommen John Watersund ich musste den Film natürlich sofort gucken. Und es war ein Fest! Super witzig, inhaltlich diesmal nicht „nur“ sozialkritisch, sondern stark politisch/antirassistisch, tolle Besetzung, klasse Inszenierung und viel gute Musik.
Natürlich spielt der Film in Baltimore (wo sonst), aber mehr denn je steht Baltimore in diesem Film symbolisch für die gesamte USA. Und er spielt im Jahr 1962, was wohl ebenfalls symbolisch ist, für das Jahr, in dem sich der erste Afroamerikaner in die Oxford-University einschreiben wollte und damit einen entscheidenden Schritt für das Ende der „Rassentrennung“ getan hat. Weiterlesen

Faster, Pussycat! Kill! Kill!

Faster Pussycat! Kill! Kill!Ein Lieblingsfilm von John Waters (ein weiterer Artikel folgt in Kürze!) soll übrigens Faster, Pussycat! Kill! Kill! von Russ Meyer aus dem Jahr 1965 sein. Ich finde den Regisseur und die Darstellung der Frauen in dem Film eher kritisch, habe den Film aber auch noch nicht ganz gesehen und freue mich deshalb auf heute Nacht.
Denn arte zeigt den Film in der zur Zeit laufenden Trash-Reihe heute um 00:10 Uhr, die Wiederholung ist am 1.April um 00:30 Uhr. Ein Text zum Film auf den arte-Seiten lässt auch bezüglich des Frauenbildes hoffen. Ich klaue den einfach mal von hier:

Mit „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ mixt Russ Meyer – bekannt als Softporno-Filmemacher mit einer ausgeprägten Schwäche für große Oberweiten – einen wilden Cocktail aus Action, Sex und Gewalt. Tura Satana in der Rolle der diabolischen Varla stellt erstmals in einem Russ-Meyer-Film eine Frauenfigur dar, die nicht devotes Sexobjekt ist, sondern die sich – prügelnd, mordend und sexuell aggressiv – gegen die Männerwelt auflehnt. Anders als in vielen anderen Filmen frönt Russ Meyer zwar auch hier seiner Vorliebe für vollbusige Frauen, doch „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ enthält nicht eine einzige explizite Nacktszene. Die Erotik bleibt stets in der Andeutung, außerhalb der Bildfläche – und ist gerade darum omnipräsentes Charakteristikum des Films. Nach „Lorna“ (1964), einem Drama in Schwarz-Weiß, führt der Filmemacher auch in dieser Low-Budget-Produktion, die in nur einer Woche gedreht wurde, neue Motive und Themen ein, die spätere Produktionen dominieren: Die zentrale Frauenfigur mit drallem Busen, das Thema der sexuellen Frustration und ihre gewalttätige Entladung, die schonungslose Darstellung eines einfältigen ländlichen Kleinbürgertums und die Konfrontation mit einer durch unumstößliche Moralvorstellungen verhärteten Ordnung.
„Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ avancierte in den 80er Jahren durch seine Thematisierung weiblicher Dominanz und Gewalt zum häufig zitierten Kultfilm, mit dem Russ Meyer sich ebenso überzeugte Fans wie Feinde schaffte.

Auf jeden Fall kritisch ist aber (mal wieder!) der deutsche Titel des Films: „Die Satansweiber von Tittfield“. Wie gut, dass arte den Film OmU zeigt!
Auch gebloggt wurde über den Film z.B. hier und hierund hier und hier.

Teknolust + The Departed

Heute (oder gestern) habe ich zwei Filme gesehen die unterschielicher eigentlich nicht sein können, aber beide absolut TOP sind.

Zuerst habe ich den Sci-Fi-Gentech-feministischen-Liebes-Komödie-Film Teknolust von Lynn Hershman Leeson geguckt, in dem eine meiner LieblingsschauspielerInnen Tilda Swinton die 4 Hauptrollen spielt. Ja wirklich, sie spielt gleich vier Rollen in einem Film, nämlich eine „mausgraue“ Wissenschaftlerin und deren drei Klone. Doch diese sind ein geheimes, nicht genehmigtes Projekt, und deshalb leben die drei Klone quasi in Isolation. Zur Außenwelt haben sie nur über das Internet Kontakt und wenn eine von ihnen auszieht, um Männer zu verführen. Denn wenn das „Spermometer“ Alarm schlägt muss wieder neuer Samen her, durch den die Klone das für sie lebensnotwendige Y-Chromosom erhalten (keine Angst, is nicht ekelig, sie spritzen sich das im Kondom erbeutete Sperma ganz steril in die Hand). Doch es ist ein Virus im System (Computerviren können auf lebende Organismen übertragen werden), wodurch alle verführten Männer nach dem unverhofften Sexabenteuer impotent werden und einen „Ausschlag“ in Form eines Barcodes auf der Stirn (*g*) bekommen. Und so besteht die Gefahr, dass im Laufe der Ermittlungen gegen diese Epidemie das ganze Projekt aufgedeckt wird…
Neben dieser Haupthandlung gibt es viele kleine Anspielungen, Symboliken, Metaphern (übertreibe ich damit?), die immer wieder Themen wie Selbstbestimmung, Emanzipation und Feminismus ansprechen. Und auch die Gender-Thematik wird berührt, denn z.B. sind alle vier Hauptrollen zwar genetisch identisch, gleichzeitig aber völlig unterschiedliche Typen und Persönlichkeiten. Merke: es gibt keine einheitliche Frauenrolle (und trotzdem sisterhood;-) )! Außerdem geht es um Liebe, AußenseiterInnentum, Selbstfindung, und Nerds kommen auch nicht zu kurz. Eigentlich genau der richtige Film für sv. ;-) Aber auch für alle anderen ein ruhiges, gemütliches, aber lustiges MUSS.
Teknolust kommt übrigens auch bald wieder im Fernsehen: am Montag, dem 26.3. um 0:45 auf ZDF und die Wiederholung am 28.3. um 22:00 im ZDF-dokukanal.
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ae fond kiss – just a kiss

Seit ich Land and Freedom gesehen habe, ist Ken Loach ja einer meiner LieblingsregisseurInnen! Und so musste ich natürlich auch den aktuellen Film The Wind That Shakes The Barley gucken. Dazu will ich aber gar nicht viel schreiben, sondern lieber auf das umfangreiche Filmheft verweisen. Außerdem wurde darüber schon z.B. hier und hier und hier gebloggt und sehr ausgiebig hier rezensiert. Gut abgeschnitten hat der Film bei KritikerInnen und BloggerInnen meistens nicht, nur in Cannes gab es letztes Jahr die Goldene Palme, und mir hat er auch gut gefallen.
Kurz nach The Wind That Shakes The Barley ist es mir dann endlich gelungen Just a Kiss (Originaltitel: ae fond kiss, entlehnt aus dem gleichnamigen Lied des schottischen Dichters Robert Burns von 1791, in dem sich ein Paar trotz der Liebe zueinander trennen muss) zu gucken, den ich 2004 leider nicht im Kino gesehen hatte. Im Prinzip ist es ein Liebesfilm, aber so ein plumpes Genre reicht für einen Ken Loach-Film natürlich nicht aus. Denn es geht eben nicht nur um eine Liebesgeschichte, sondern vor allem auch um 1. den kulturellen Hintergrund der ProtagonistInnen und 2. den sozialen Lebensraum in dem sie sich bewegen. Es geht also um eine irisch-katholische Frau und einen jungen Moslem mit historisch-pakistanischem Migrationshintergrund, die sich im protestantischen England begegnen und verlieben. So weit, so gut. Aber natürlich gibt es Schwierigkeiten; zum Einen von katholisch-kirchlicher Seite, zum Anderen von der traditionalistischen muslimischen Familie. So muss die Lehrerin Roisin (Eva Birthistle) für ihren „freizügigen“ Lebensstil die Konsequenzen in Form einer Versetzung in Kauf nehmen, Casim (Atta Yaqub) muss sich zwischen ihr (und damit seiner eigenen Emanzipation) und seiner Familie entscheiden. Und dabei müssen beide auch noch miteinander auskommen, sich gegenseitig verstehen, über (kulturelle) Kommunikationshindernisse hinweg kommen, und zueinander stehen. Weiterlesen

John Waters

John WatersNach der wundervollen Doku „Schau mir in die Augen, Kleiner“ habe ich große Lust bekommen Filme von John Waters zu sehen. Dabei war ich überrascht in meiner unübersichtlichen und unsortierten Videosammlung neben Cry Baby noch einen Film zu finden: Pecker. Klar wusste ich, dass ich den Film habe, aber eben nicht, dass der auch von John Waters ist. Jetzt wurde mir der Film durch dieses Wissen natürlich um einiges klarer ;-) Schnell hab ich mir noch einige andere Filme bestellt und geliehen… (und, ich geb’s zu, in ziemlich verwirrender Reihenfolge gesehen) Weiterlesen