Du bist Deutschland Part II

…und ich bin immernoch nicht Deutschland und will es auch nie sein!!!
Der neue Spot: wie immer mit Gänsehaut-Garantie!

Aber im Gegensatz zu Bigmouth, bei dem mensch noch viel mehr darüber lesen und sich auskotzen kann, halte ich das alles für völkische Scheiße!

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moralische Abgründe bei Greenpeace

Nach langer langer Zeit bekomme ich mal wieder Post vom Greenpeace Magazin. Woher haben die eigentlich meine Adresse? Müssten sie die nicht eigentlich löschen, wenn ich das Abo kündige? Und soo lange gibt es die Vorratsdatenspeicherung ja auch noch nicht. Naja, egal. Der eigentliche Punkt ist: die Abo-Prämie. Und zwar darf mensch zwischen 2 Prämien wählen. Das Ganze sieht dann so aus:

greenpeace werbung

Und ich zitiere nochmal: „Sie können in Bosnien-Herzegowina eine Fläche von sechs Quadratmetern von Minen räumen lassen oder bekommen den Becher ‚Rettet die Meere‘ geschenkt.“
Ich betone nochmal: es steht wirklich „oder“ da, nicht „und“ !!!
Klare Entscheidung also. Ich nehme den Becher, denn solche Minen kann ich nun wirklich nicht gebrauchen.

Hauptsache ich kann mir einreden ein ruhiges Gewissen zu haben weil ich Greenpeace unterstütze und so automatisch etwas für eine bessere Welt tue. Und jetzt erstmal gemütlich zurücklehnen und aus meinem neuen Becher nen Fair-Trade-Kaffee von LIDL trinken…

neues Fahrrad gefällig?

wie wär es dann mit einem „strike-bike“ !?



Bürener Abschiebehäftlinge im Hungerstreik

In Büren (nähe Paderborn, NRW) steht der größte Abschiebeknast Europas. Dort findet jedes Jahr eine antirassistische Demonstration statt, diesmal war es der 2. September. Hier wurde eine Erklärung von Gefangenen der JVA-Büren verlesen, in der die deutsche Ausländergesetzgebung, die Abschiebepraxis und besonders die Verhältnisse in Büren als illegal und menschenverachtend angeprangert werden.
Um ihrem Leid und dem tausender anderer Menschen in Abschiebelagern und -knästen Gehör zu verschaffen, sind seit dem 2.9. nun 60 „Häftlinge“ der JVA Büren in Hungerstreik getreten!!!
Wie verlogen, korrupt und politisch gewollt die Demoplakat Büren 07Zustände in Büren (und anderswo) sind, zeigt die Tatsache, dass der Wortführer des Hungerstreiks, Noel Asgana, nun plötzlich wegen eines „Formfehlers“ aus der Haft entlassen werden konnte. Trotzdem geht der Hungerstreik weiter und es wird weiter gefordert:

Wir rufen zur Schließung aller Abschiebeknäste und unmenschlichen Gefängnisse auf, in Deutschland und dem Rest der Welt. Wir stellen uns gegen die rassistischen Gesetze, die gegen MigrantInnen und AsylbewerberInnen angewandt werden. Wir fordern die absolute Respektierung der Menschenrechte und die Verpflichtung der deutschen Regierung, diese Rechte innerhalb und außerhalb ihres Territoriums zu schützen, ohne jedwede Diskriminierung oder Vorurteile.

(aus der Erklärung der Bürener Geknasteten)

Informiert Euch! Solidarisiert Euch!
Gegen den rassistischen Normalzustand!!!

http://thevoiceforum.org/
http://buerendemo.twoday.net/
Radiointerviews zur aktuellen Situation im Knast:
Teil 1Teil 2

Das Sommermärchen nach 1945

Ein absolutes TV-Highlight gab es heute auf dem SWR:
Ein Paradebeispiel für die Zusammenhänge von Politik und Fußball! Oder genauer gesagt, von Fußball und Faschismus.
Der Scan aus der Fernsehzeitung sagt eigentlich alles und braucht wohl nicht mehr kommentiert werden ;)
Hitlers Sommermärchen

Ein ganz gewöhnlicher Jude

Einer der wenigen Filme, die es schaffen trotz nur einer einzigen Rolle und (fast) nur einem einzigen Raum in dem der Fim spielt zu brillieren. Emanuel Goldfarb (Ben Becker), Mitglied der jüdischen Gemeinde Hamburg, bekommt von ebendieser einen Brief weitergeleitet; eine Einladung eines Lehrers einer 8. Schulklasse, der einen „Vertreter Ihrer Glaubensgemeinschaft“ zur intensiveren Berabeitung des Themas Judentum in den Unterricht einbinden möchte. Soviel zur Einleitung. Den gesamten Rest des Films füllt die Antwort auf diese Einladung, die Goldfarb in sein Diktiergerät spricht.
Sehr verkürzt geht es um die (Un)Möglichkeit von Normalität für deutsche Juden/jüdische Deutsche/Juden in Deutschland, die gleichermaßen Anti- und Philosemitismus ständig ausgesetzt sind. Die gesamte Fülle des Films, bzw. der Rede kann hier nicht wiedergegeben werden.
TAZ und Jungle World haben über den Film abgekotzt und natürlich ist es schwierig dem Regisseur Hirschbiegel den „Untergang“ zu verzeihen. Das geht und soll auch absolut gar nicht!!! Trotzdem kann es passieren, wie hier und wie auch schon bei „Das Experiment“ und „Mein letzter Film“ (ebenfalls ein Kammerspiel), dass er auch mal einen guten Film macht. Es ist nunmal kein Film für die antideutsche Avantgarde, die natürlich nichts vom Positivrassismus ala Philosemitismus hören und es wieder besser wissen will, einE bessereR JüdIn sein will, als der Autor Charles Lewinsky. Vielleicht ist das zu hart von mir und eine gewisse Kritik berechtigt. Aber es ist halt „nur“ ein Hirschbiegel-Film der um 20.15 Uhr in der ARD läuft.
Die Szene jedoch, in der Martin Walser erwähnt wird („Ich kann diesen Ach-wie-war-das alles-schrecklich-Reflex genauso wenig leiden wie Martin Walser.“), ist eindeutig zweideutig zu verstehen; und besonders im Kontext der nachfolgenden Sätze nicht so, wie es die Jungle World eindeutig festzumachen glaubt.

Sophiiie!

Sophie, „Kurzform von Sophiiie!“, ist schwanger. Aber sie weiß nicht von wem und vor allem nicht was sie tun soll. Auf der Suche nach einer Antwort irrt sie eine Nacht lang durch die Stadt; mit dem Motorrad ihres Freundes, der sich mehr Sorgen um die Karre macht als um sie, in Taxen, in denen sie die Fahrer fragt: „Wohin soll´s gehen?“, durch Bars und Puffs und teure Hotels, sie betrinkt sich, sie raubt Leute aus, um an Geld zu kommen, sie bringt sich ständig in Gefahr. Und fast überall begegnen ihr männliche Sexualität, Gewalt, Vergewaltigungsandrohung, sexuelle Übergriffe – meist alles auf einmal. Nur selten findet sie in dieser Nacht Verständnis. Aber auch das kommt immer im falschen Moment. Sie kann nicht damit umgehen. Da kommt sie fast noch besser mit einer Horde von Männern zurecht, die nicht eingreifen bei einer versuchten Vergewaltigung, aber klein beigeben, wenn Sophie einen am Schwanz nach draußen zieht und droht, ihn mit einer Glasscherbe abzuschneiden. Sie kann sich noch wehren, aber manchmal auch nicht. Oft ist Sophie (Katharina Schüttler)ihre einzige Waffe ihre Hilflosigkeit. Bis sie ihr Kind verliert und dafür noch beschimpft und verurteilt wird, wieder nur auf Unverständnis stößt. Am Ende kann sie nichts mehr aushalten. Sie kann nicht mehr. Auch die Fröhlichkeit von polnischen Cowboys, die nach dieser Nacht wie rettende Engel wirken, kann sie nicht mehr retten…
Sophiiie! (2002) ist ein Film über den Zustand der Verwirrtheit wenn mensch nicht mehr weiter weiß. Über das nicht-mehr-ertragen-können. Über Lichtblicke, die schnell wieder im Schatten verschwinden. Über das brutale Leben, das einem selbst so fremd vorkommt. Über einen Augenblick, in dem eine lebenswichtige Entscheidung getroffen werden muss, der sich quälend lang dahin zieht, bis es zu spät ist.
Der Film ist fesselnd, abwechslungreich, spannend, überraschend, mitreißend, realistisch und traurig und es schwingt ein feministischer Subtext mit. Ein Film, bei dem mensch sagen möchte, dass es ein toller/guter/großartiger Film ist, aber nichts davon passen will.